Ausbildung und Tätigkeit als Sachverständiger und Gutachter

Was macht eigentlich ein Gutachter oder Sachverständiger?

Unparteiisch, unabhängig, kompetent, seriös und objektiv – mit diesen Schlagworten lässt sich die Arbeit von Gutachtern und Sachverständigen am besten beschreiben. Ihren Einschätzungen wird viel Vertrauen entgegengebracht, beispielsweise vor Gericht. Daher sollte man wissen, dass Gutachter zwar fachlichen Rat erteilen und zu bestimmten Sachverhalten aufgrund ihrer Erfahrung und Sachkunde eindeutig Stellung nehmen; sie beantworten aber keine Rechtsfragen.

Unabhängigkeit und Objektivität, gepaart mit dem unverzichtbaren Fachwissen, bildet die Basis dafür, dass Einschätzungen grundsätzlich von jedermann akzeptiert werden können. Anders gesagt: Eine gutachterliche Aussage ist im Idealfall so verkehrsfähig wie eine notarielle Urkunde, also ebenso glaubhaft und vertrauenswürdig. Gutachter tragen dazu bei, Streitigkeiten vor Gericht zu vermeiden oder, falls es doch dazu kommt, richtige und gerechte Entscheidungen zu treffen. Bindend ist ein Gutachten für einen Richter jedoch nicht. Vielmehr muss dieser es kritisch überprüfen und sich im Laufe des Beweisfindungsprozesses eine eigene Meinung bilden. Unter Umständen kann auch ein weiterer Gutachter hinzugezogen werden.

Grundsätzlich kann man sagen: Ein Gutachter stellt Tatsachen fest, zieht daraus logische Schlussfolgerungen und untermauert diese mit Erfahrungswerten. Dabei gibt es eine ganze Reihe von möglichen Einsatzgebieten: zum Beispiel die Feststellung von Bauschäden, von Altlasten, des Verkehrswertes, der Auswirkung vion Rechten und Lasten, der Wirkungsweise von Preismechanismen und vieles mehr. Im nächsten Schritt hat der Gutachter dann zu bewerten, was die Ursachen der von ihm festgestellten Tatsachen sind. Antworten auf alle gestellten Fragen müssen geprägt sein von Fachkenntnis und Objektivität, Vermutungen haben in einem Gutachten nichts zu suchen. Zudem kann es auch Aufgabe eines Gutachters sein, Erfahrungssätze darzustellen. Beispiele dafür sind die Feststellung der Miethöhe für eine Wohnung oder ein Gewerbehaus, die Bewertung von Grundstücken und Häusern oder grundstücksgleichen Rechten. Für jedes Fachgebiet gibt es eigene Experten und Gutachter. Gerade in unserem modernen hochtechnisierten und arbeitsteiligen Alltag kommt der beruflich eng spezialisierte Bürger in Zweifelsfällen kaum mehr aus, ohne einen Sachverständigen zu beanspruchen.

Ausbildung und Tätigkeit als Sachverständiger

Der Gutachter zeichnet sich dadurch aus, Spezialist in einem eng definierten Fachgebiet zu sein. Seine Fachkenntnisse sollten überdurchschnittlich sein, sodass seine Einschätzungen auch bei anderen Fachspezialisten Anerkennung finden. Nicht nur der Auftraggeber muss sich auf die Aussagen eines Gutachters verlassen können. Dieses besondere Wissen setzt sich aus einer Vielzahl von wissenschaftlichen und technischen Disziplinen zusammen. Der Gutachter muss vor allem in der Lage sein, die aktuelle Rechtsprechung richtig einordnen zu können.

Um diesen Anforderungen in der Praxis gerecht zu werden, muss ein Sachverständiger zumeist ein langjähriges Studium oder verschiedene fachbezogene Studiengänge in Verbindung mit langjähriger, einschlägiger Berufspraxis vorweisen können. Oftmals liegt der Ausübung einer Sachverständigentätigkeit ein Studium im Architektur- oder Ingenieurbereich zugrunde.